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Arthrose des Großzehengrundgelenks
Ich bin 51 Jahre alt, und leide verstärkt unter einer ausgebildeten Arthrose im rechten Großzehengelenk. Pro Woche laufe ich circa 50 Kilometer und nehme regelmäßig an Volksläufen teil - zehn Marathons habe ich auch schon hinter mir. Mein großes Ziel ist der lange Rennsteig-Lauf. Dafür muss mein Training weiter ausgebaut werden. Ich weiß, gegen die Abnutzungen der Arthrose gibt es kein Mittel - mein Arzt meinte, die Schuhe sollten nicht so weich sein, ansonsten habe ich eine Spritze Cortison in das Gelenk erhalten. Sehr stark schmerzt das Gelenk zwar (noch) nicht, aber es ist unangenehm beim Laufen. Das Gelenk ist in den letzten Wochen angeschwollen, sodass ein Druck zu spüren ist. Gibt es nun in irgendeinem „Zauberkästchen" noch Tipps oder Mittelchen, die mich meinem Traum, mit 55 Jahren den langen Rennsteig zu laufen, erfüllen lassen?

Arthrosen, also Gelenkveränderungen im Sinne einer Überlastung beziehungsweise Abnutzung, finden sich bei jedem Menschen, wenn er nur alt genug wird. Die Wissenschaft geht davon aus, dass bei jedem Mitteleuropäer jenseits des 30. Lebensjahres mindestens ein Gelenk Zeichen einer Arthrose aufweist. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Oft sind es mechanische Gründe, die für die Probleme verantwortlich gemacht werden. Wenn allerdings keine sehr auffälligen Veränderungen wie beispielsweise starke O- oder X-Beine oder eine Fehlstatik der Füße nachweisbar sind, wird die Suche nach den entscheidenden Faktoren schwierig. Bei solcherlei Beschwerden im Bereich des Großzehengrundgelenks muss man differentialdiagnostisch auch immer an Gicht denken. Eine Ursachenforschung setzt eine penible, umfangreiche Befragung und Untersuchung des Betroffenen voraus. Neben Labordaten und bildgebenden Verfahren wird beim Läufer natürlich die körperliche Untersuchung mit Kraft- und Beweglichkeitstests und einem Versuch der Bewertung der Lauftechnik im Mittelpunkt stehen. Sie sollten auf keinen Fall komplett auf Sport verzichten, da nicht nur Nachteile am Bewegungsapparat wie Osteoporose (Knochenentkalkung), Gelenkversteifungen und Muskelschwund zu befürchten sind, sondern auch „Bewegungsmangelerkrankungen" wie Fettstoffwechselstörungen mit Übergewicht, Zuckerkrankheit, frühzeitige „Gefäßverkalkungen" mit Herzinfarkt und Schlaganfall. Diese Krankheiten beeinflussen die Lebenserwartung negativ - nicht jedoch die Arthrose. Vom orthopädischen Standpunkt aus gesehen, sollten die Gelenke möglichst in einem physiologischen Bewegungsablauf belastet werden, was beim Fußball, Tennis oder bei Kampfsportarten im Allgemeinen nicht der Fall ist. Im Falle Ihrer Beschwerden im Großzehengrundgelenk sollten Sie zunächst Sportarten wählen, die dieses Gelenk wenig oder überhaupt nicht belasten, zum Beispiel Aquajogging oder Radfahren. Wenn sich der Reizzustand im Gelenk - eventuell mit medikamentöser Unterstützung - zurückgebildet hat, Sie also lediglich noch unwesentliche Beschwerden haben, können Sie Ihr Lauftraining wieder allmählich steigern. Bei Medikamenten bevorzuge ich im Bedarfsfall das entzündungshemmende und schmerzlindernde „Diclofenac" oder ähnlich wirkende Medikamente. Auch Eingriffe in die Trainingssteuerung und ergänzende Übungen können erfolgreich zum Einsatz kommen. Zusätzlich eignen sich im Einzelfall auch schuhorthopädische Zurichtungen, mit denen das betroffene Gelenk entlastet wird. Nahrungsergänzungen haben naturgemäß bei mechanischen Problemen nur geringe Erfolgsaussichten. Wundermittel gegen eine Arthrose gibt es leider noch nicht. Eine Operation ist erst dann indiziert, wenn man mit konservativen Maßnahmen wie Trainingsänderung, Medikamenten, Kälteanwendungen, Schuheinlagen und so weiter keinen befriedigenden Erfolg sieht, und das Beschwerdebild die Lebensqualität erheblich einschränkt. Neben den erwähnten konservativen Behandlungsformen kommen auch moderne operative Maßnahmen in Betracht, die - vom Spezialisten ausgeführt - die Funktionsfähigkeit des Gelenkes erhalten können.
Mit freundlichen Grüßen Dr. D. Kleinmann

Quelle: Running, 08/2005

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