| ‹ Erkältung dauert 7 Tage - Erkältung nennt der Volksmund, was medizinisch korrekt «grippaler Infekt» heisst - als würde die Kälte Schnupfen und Husten auslösen. Verursacher sind jedoch Viren, die sich in den Atemwegen einnisten. Und das tun sie vorzugsweise, wenn die Schleimhäute von Nase und Rachen durch die Heizungsluft trockener sind als gewöhnlich. Gegen grippale Infekte kann man sich nicht impfen lassen. Denn als Erreger kommen über 200 Viren oder Viren-Untertypen in Frage. Ein Impfstoff müsste sie alle in abgeschwächter Form enthalten. Am sichersten ist es, die Viren gar nicht an sich heranzulassen. Das ist gerade in der kalten Jahreszeit schwierig, da man sich in geheizten Räumen aufhält, oft mit hustenden, niesenden Mitmenschen. Die nächstbeste Methode heisst Vorbeugung, am besten mit traditionellen Hausmitteln. So konnte die deutsche Medizinerin Kathrin Goedsche vom Universitätsklinikum Jena zeigen, dass regelmässige kalte Güsse nach Kneipp, über zehn Wochen durchgehalten, die Häufigkeit der Erkrankungen deutlich senken und die Zahl der Abwehrzellen im Blut um 13 Prozent steigern. So geht#00B4s: Nach der warmen Dusche begiesst man Arme und Beine von unten nach oben, danach den Rumpf von aussen in Richtung Herz mit kaltem Wasser. Man kann mehrfach zwischen Warm und Kalt wechseln, den Abschluss bildet jedoch immer ein kalter Guss. Regelmässige Saunabesuche haben eine vergleichbare Wirkung. Wenn indes der Infekt schon ausgebrochen ist, hilft ein altes, aber preisgünstiges Rezept: erstens ausruhen. Zweitens viel trinken. Drittens die Schleimhäute befeuchten, am billigsten, indem man mindestens einmal täglich Wasserdampf inhaliert und alles fernhält, was die Schleimhäute reizt, also auch Rauch. All die Medikamente, die jetzt wieder ganz vorn in den Regalen der Apotheken stehen, lindern zwar die Symptome. Fast immer handelt sich der Kranke damit jedoch auch Nachteile ein. Zum Beispiel nehmen Schmerztabletten zwar das Kopfweh und senken das Fieber. Aber die Patienten fühlen sich damit schon fast gesund und muten sich zu viel zu. Der Rückfall ist programmiert. Bei Kombinationspräparaten, die etwa den Fiebersenker Paracetamol plus einen Wirkstoff gegen Hustenreiz und weitere Substanzen enthalten, lassen sich die Nebenwirkungen schwer einschätzen. Für die Wirksamkeit alternativer Arzneien wie Zink, die Vitamine C und E sowie Pflanzenextrakte finden sich in der wissenschaftlichen Literatur kaum Belege. So gibt es bis heute keine fundierte Studie, die nachweist, dass der vielgerühmte Rote Sonnenhut, mit botanischem Namen Echinacea purpurea, Erkältungen vorbeugt oder bereits ausgebrochene Erkrankungen stoppt. Der Volksmund hat eben doch Recht: Unbehandelt dauert eine Erkältung sieben Tage, mit Medikamenten eine Woche. Sabine Sütterlin Quelle: NZZ am Sonntag, 1. Januar 2006
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