Die Studie war dreigeteilt und beurteilte die Auswirkungen einer fettarmen Ernährung auf das Risiko von Brustkrebs, kolorektalem Krebs und Erkrankungen des Herzkreislaufsystems bei Frauen, die zu Beginn der Studie zwischen 50 und 79 Jahre alt waren. Einer Gruppe wurde eine fettarme Ernährung verordnet, gleichzeitig wurde sie während des ersten Jahres sehr intensiv individuell beraten. Die Vergleichsgruppe konnte essen, was sie wollte. Obwohl die meisten Frauen dieser Gruppe übergewichtig oder fettleibig waren, wurden sie nicht angehalten, weniger Kalorien zu sich zu nehmen. Nach acht Jahren waren die Raten von Brustkrebs, kolorektalem Krebs und Herzkreislauferkrankungen in beiden Gruppen gleich.
Das scheint ein eindeutiges Ergebnis zu sein. Aber so einfach ist es nicht!
Die fettarme Diät war gar nicht fettarm.
Ziel dieser Studiengruppe war, dass die Fettzufuhr 20% der täglichen Kalorien aus machte. Als die Frauen begannen, stammten 38 % der Kalorien vom Fett. Ein Jahr später betrug der Anteil im Durchschnitt 24 %, im sechsten Jahr jedoch stieg er auf 29 % und lag damit nur 8 % unter dem der Kontrollgruppe. Die Gruppe sollte auch mehr Obst und Gemüse essen, tatsächlich aß sie aber nur eine zusätzliche Portion täglich mehr. Am Ende unterschieden sich die beiden Ernährungsformen nur unwesentlich voneinander. Möglicherweise hätte die geringere Fettzufuhr in Kombination mit mehr Obst und Gemüse positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Aber etwas war völlig klar: Es ist sehr schwierig, Menschen zu motivieren, große Veränderungen vorzunehmen und dann auch dabei zu bleiben.
Die fettarme Ernährung unterschied nicht zwischen „guten" und „schlechten" Fetten, also z. B. zwischen Olivenöl und Schmalz. Als die Studie in den frühen 90er Jahren konzipiert wurde, konzentrierten sich viele Ernährungsexperten vorwiegend auf die Senkung des Gesamtfetts. Seither hat sich die Aufmerksamkeit verlagert, „schlechte#00B41 Fette (gesättigte Fettsäuren, die vorwiegend in tierischen Produkten vorkommen, und Transfettsäuren, die in weiter verarbeiteten Nahrungsmitteln und Fast Food enthalten sind) werden ersetzt durch „gute" Fette
(ungesättigte Fettsäuren, wie z. B. in Nüssen, Fisch und nicht gehärteten pflanzlichen Ölen). Dies sind die offiziellen Ernährungsempfehlungen, die sich nicht auf die Zufuhr des Gesamtfetts konzentrieren. Es stimmt, dass die Frauen die gesättigten Fettsäuren und die Transfettsäuren leicht reduzierten, aber sie reduzierten gleichzeitig auch die potenziell schützenden Fettsäuren. Die Folge war ein nur geringer Rückgang im Blutcholesterin.
Was wäre gewesen, wenn ...?
Keine Studie, und sei sie noch so groß und teuer, kann jede Frage beantworten, aber diese lässt einige wichtige unbeantwortet.
Wie sähe das Ergebnis aus, wenn die Frauen ihre Ernährung bereits früher umgestellt halten? Die Verminderung von Fett war eventuell zu spät und nicht ausreichend genug. Die Frauen, die die gesättigten Fettsäuren und die Transfettsäuren am meisten reduzierten, konnten den größten Rückgang des „schlechten" LDL-Choleste-rins verzeichnen. Wären die Ergebnisse bei Männern, die ja früher Herzerkrankungen erleiden, gleich? Die Frauen waren alle relativ gesund. Würden weniger gesunde Menschen auch davon profitieren? Wäre der Nutzen eindeutiger ausgefallen, wenn die Frauen ermutigt worden wären, abzunehmen (sie verloren in acht Jahren nur 450 g) und mehr zu trainieren? Eine Diät ohne Gewichtsverlust bringt bei Übergewichtigen keine wesentlichen Vorteile. Und schließlich: Hätte eine längere Studie positivere Ergebnisse zur Folge? Acht Jahre sind lang, aber Krebs entwickelt sich über Jahrzehnte. Wissenschaftler werden die Frauen weiterhin beobachten und die Daten analysieren. Wir sind zuversichtlich, dass es positive Ergebnisse geben wird, wie Risiken effektiv verringert werden können.
Wenn nicht fettarm, was dann?
Der Rat, weniger Fett zu essen, ist schön und gut, aber diese Studie zeigt, wie übrigens viele andere auch, dass es sehr schwer ist, einen solchen Rat über längere Zeit zu befolgen, selbst wenn er von Beratung begleitet wird. Erschwerend kommt hinzu, dass wohl kaum jemand den prozentualen Anteil der Kalorien, die vom Fett stammen, täglich berechnet.
Unser Rat dagegen klingt komplizierter als er ist. Er konzentriert sich anfechte Nahrungsmittel und erfordert keinen Kalkulator und keinen Ernährungsberater. Es ist unser Standardrat seit vielen Jahren:
sollten die Hauptnahrungsmittel Ihrer Ernährung sein, ergänzt durch fettarme Milchprodukte, Fisch, Bohnen, Geflügel ohne Haut und mageres Fleisch. Studien zeigen, dass Menschen, die sich so ernähren, ein geringeres Risiko haben an Herzleiden, Diabetes und möglicherweise auch Krebs zu erkranken. Eine solche Ernährung entspricht auch dem DASH-Plan, von dem erwiesen ist, dass er hohen Blutdruck senkt. Sie hilft bei der Gewichtskontrolle, insbesondere wenn bei kleineren Portionsgrößen mehr trainiert wird.
Obst, Gemüse, Bohnen und Vollkornprodukte. Diese taserhalügen kohlenhydratreichen Nahrungsmittel sind nahrhaft, sättigend und haben relativ wenig Kalorien.
„Schlechte"Kohlenhydrate; Produkte aus raffiniertem Korn, z. B. Weißbrot und salzige Zwischenmahlzeiten wie Chips.
Fisch und Nüsse, die gesunde ungesättigte Fettsäuren enthalten. Ersetzen Sie Butter oder transfettsäurehaltigen Margarinen durch Olivenöl. Achten Sie auf die Menge, alle Fette haben viele Kalorien.
tierische Fette (hoch in gesättigten Fettsäuren). Essen Sie weniger Transfettsäuren, wie sie in partiell hydrogenierten Pflanzenölen, vielen Fertigprodukten und Fast Food enthalten sind. Achten Sie auf das Cholesterin, das nur in tierischen Produkten vorkommt. Behalten Sie die Portionsgröße einer Mahlzeit im Auge, vor allem bei kalorienreichen Nahrungsmitteln. In den letzten Jahren sind die Portionsgrößen stetig gewachsen, vor allem in den Restaurants. Trainieren Sie, kontrollieren Sie Ihr Gewicht und somit letztendlich Ihre gute Gesundheit.
Was Sie essen, ist genau so wichtig wie das, worauf Sie verzichten. Wie viel Sie essen, ist genau so wichtig, wie, was Sie essen. Und: gesund werden und bleiben Sie nur, wenn Sie auch körperlich aktiv sind -was mindestens so wichtig ist wie das, was Sie essen.
WR intern 108/001 Band 271 Nummer 08